Beitragvon tdm-fuzzi » 16.08.2010 22:06
Hallo,
das Problem mit dem Kupplungsrupfen hatte ich an meiner TDM 850, 4TX, EZ 98 bei ca. 20.000 km. Es war schon vorhanden, als ich das Motorrad mit 4.000 km erworben hatte. Bei heißem Motor wurde mit der Zeit das Anfahren immer schlimmer. Der Einkuppelweg war "gefühlt" sehr kurz, anfangs fuhr sie sanft los und auf dem letzten Drittel des Einkuppelvorgangs hatte das ganze Motorrad gebockt und geschüttelt. Durchgerutscht ist die Kupplung unter Last jedoch nicht.
Ich hatte mir einen kompletten Kupplungskit (Lamellen, Stahlscheiben, Federn) von TRW-Lucas und eine neue Kupplungsdeckeldichtung bestellt, da ich den Montageaufwand mehrmals betreiben wollte.
Die neuen Teile sind eingebaut, die Kupplung ist perfekt, der "gefühlte Kupplungsweg" ist bei gleich eingestelltem Kupplungsspiel viel länger, beginnt sanft und setzt sich sanft bis zum vollständigen, schlupffreien Kraftschluß fort. Man startet jetzt mit minimal erhöhtem Leerlauf (ca. 1.500 Umdrehungen pro Minute), läßt den Kupplungshebel gefühlvoll, gleichmäßig los und die Fuhre startet sogar bergauf ohne den kleinsten Ruckler. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass man mit einer TDM so sanft starten kann.
Und nun meine Fehlerdiagnose:
Die ausgebauten Kupplungslamellen hatten noch das neuwertige Istmaß bezüglich Dicke, optisch sah man ihnen keine Beschädigung an. Die Beläge waren bestimmt ausgehärtet oder verglast. Die Stahlscheiben sahen aus wie neu, sie waren nicht verformt oder verfärbt, hatten jedoch auf den Reibflächen Schattierungen, von "blank" bis "matt". Die alten Federn hatten die gleiche Länge wie die neu gekauften Federn. Am Kupplungskorb waren keine nennenswerten Riefen festzustellen.
Reparaturempfehlung für Sparfüchse:
Aus meiner Sicht hätte für eine Reparatur auch nur ein neuer Lamellensatz (von Lucas oder EBC, normale Ausführung) und eine neue Dichtung gereicht. Die Kosten liegen bei kedo.de bei ca. 65,- EUR. Die alten Stahlscheiben (sofern nicht blau und verformt) würde ich mit dünnem Schleifpapier beidseitig anrauhen und die Gleitflächen/Nuten im Kupplungskorb mit einer kleinen Schlichtfeile ebnen. Die alten Federn sind i.O. und wiederverwendbar, wenn die Kupplung vorher unter Last nicht durchgerutscht ist.
Wichtig: die neuen Lamellen ein paar Stunden vor dem Einbau in Motoröl einlegen, damit sie sich schön vollsaugen und kein vollsynthetisches Motoröl verwenden. Meine Ölempfehlung wäre ein teilsynthetisches 10W-40 Motorradöl mit der Kennung Jaso MA oder sogar MA2. Das Procycle von Luis erfüllt die z.Z. höchsten Anforderungen und stammt vom Markenhersteller Pentosin. Und die Kupplung nach dem Einbau gefühlvoll einfahren, und nicht sofort vergewaltigen, damit die Lammellen wieder verglasen!
Wenn jemand will, kann er meine ausgebauten Stahlscheiben und Federn für 20,- EUR zuzüglich Porto erwerben.
Und nun gutes Gelingen!